Der Produzent, Autor und Regisseur Samir blickt im Video-Porträt zurück auf seine berufliche Biografie.

Der Produzent, Autor und Regisseur Samir blickt im Video-Porträt zurück auf seine berufliche Biografie.

Bild: Videostill

Film

Samir – Wie bist Du Samir geworden?

Samir ist in seiner Kindheit aus dem Irak als Migrantenkind in ein Arbeiterquartier nach Dübendorf gekommen. Im Video-Porträt erzählt er, wie er zum Filmemacher geworden ist.

Von Karim Patwa

Zürich, 11.12.2025

4 min

Samir sagt: «Die Eroberung des Films durch das Kulturbürgertum ist für mich nichts Erfreuliches.»

Im Videoporträt von Karim Patwa wird lesbar, woher diese kritische Haltung kommt. Der Filmemacher erzählt, wie er eigentlich zum Film gekommen ist: durch Kinobesuche mit seinen Tanten in Bagdad, durch Selbststudium in den ersten Arthouse-Kinos in Zürich, als Werbe- und Industriefilmer bei der Produktionsfirma Condor.

Die Initialzündung für sein Schaffen war jedoch die Arbeit im Kollektiv des Zürcher Videoladens, wo neben vielen weiteren Projekten «Züri brännt», die  Dokumentation über das bewegte Zürich der 1980iger-Jahre, produziert worden ist. Seither arbeitet Samir als Regisseur für Dokumentar- und Spielfilme und ist ein bedeutender Filmproduzent.

Die Crux mit der identitären Politik

Das Thema der Migration, die Unbehaustheit der Generation Secondo, das Leben zwischen den Kulturen zieht sich wie ein roter Faden durch Samirs Werk. Während er sich mit  Filmen wie «Morelove», «Babylon ll», «Filou», «Iraqi Odyssey» oder «Die wundersame Verwandlung der Arbeiterklasse in Ausländer» in Europa einen Namen gemacht hat, musste er fast zwanzig Jahre darauf warten bis ihn seine irakische Familie als Filmemacher akzeptiert hat.

Die Frage, wie denn Identität erzählt werden kann, ist eine seiner künstlerischen Lebensfragen. Von der identitären (Film-)Politik hält er indes wenig und sagt mit einem Schulterzucken: «Nun ist es mittlerweile so, dass ich eben zu wenig schwarz bin, um einen Spielfilm finanzieren zu können, der von James Baldwin, dem – schwarzen – US-amerikanischen Schriftsteller in der Schweiz handelt.»

Samir

(eigentlich Samir Jamal Aldin) wurde 1955 in Bagdad, Irak, geboren, zog als Kind zu Beginn der 1960iger-Jahre mit seinen Eltern in die Schweiz. Anfang 1970iger-Jahre besuchte er die Schule für Gestaltung in Zürich und machte danach eine Lehre als Typograph. Nach einer Ausbildung zum Kameramann begann er Mitte der 1980iger-Jahre seine eigenen Filme zu realisieren. Seine Werkliste umfasst inzwischen über 40 Kurz- und Langspielfilme für Kino und Fernsehen. In den 1990iger-Jahren arbeitete er zudem für diverse deutsche Sender (ZDF, ARD, SAT 1, PRO 7 u.a.) als Regisseur von Serien und Fernsehfilmen.

Zusammen mit Dokumentarfilmer Werner Schweizer übernahm er 1994 die Produktionsfirma Dschoint Ventschr Filmproduktion.
Samir hat sich als Produzent für zahlreiche Spiel- und Dokumentarfilme engagiert. Zu seinen vielseitigen Produktionen zählen der Dokumentarfilm «White Terror» von Daniel Schweizer oder der Mockumentary «Birdseye» aber auch Spielfilme wie «Nachbeben» von Stina Werenfels oder Andrea Stakas «Das Fräulein». 2012 feierte seine Produktion «Opération Libertad» Premiere an der «Qinzaine des Réalisateurs» in Cannes..


Interview: Karim Patwa. Kamera: Michel Gilgen.  Schnitt: Studio Impossible
Eine Koproduktion zwischen Studio Impossible und FRIDA Magazin.
©Channel Impossible 2025

Channel Impossible

Das Projekt «Channel Impossible» wird vom Zürcher Filmemacher Karim Patwa realisiert. Rund einmal im Monat porträtiert er Persönlichkeiten aus der Kulturszene.

Patwa wurde 1968 in London geboren und ist im multiethnischen Biel aufgewachsen. Nach Abschluss seiner Lehre zum Elektromechaniker beginnt er 1993 sein Studium an der Hochschule für Gestaltung Luzern im Studiengang Film. 1999 assistiert er für den Film «Gambling, Gods and LSD» von Peter Mettler.

2004 feiert Patwas erster Spielfilm «Karim Patwa’s Spaceship» seine Premiere am Locarno Filmfestival. 2015 wird sein zweiter Spielfilm «Driften» am Max Ophüls Film Festival gezeigt und gewinnt gleich drei wichtige Preise. Sabine Timoteo, die Hauptdarstellerin, den Schweizer Filmpreis.


 

karim-juni-17-2

Karim Patwa

Gefällt Ihnen dieser Beitrag?

Wir verstehen uns als niederschwellige, experimentelle Plattform für Kulturvermittlung, welche die Teilhabe möglichst breiter Bevölkerungsschichten ermöglicht. Im Online-Bereich sind unsere Inhalte darum neu kostenlos zugänglich.
Sie können unser Magazin jedoch mit einer Spende unterstützen:

Ich unterstütze Frida