Die Teilnehmerinnen der «Fair-Amour»-Party betrachten die Produkte.

Die Teilnehmerinnen der «Fair Amour»-Party betrachten gemeinsam die Produkte.

Erotik

Eine Tupperware-Party der besonderen Art

Die Zürcherin Melanie Alber möchte, dass wir in der Schweiz nachhaltig lieben. Deshalb gründete sie «FairAmour» und verkauft nachhaltige Erotikprodukte.

Von Tamara Funck

Zürich, 14.12.2023

4 min

Vor gut 70 Jahren entdeckte Earl Tupper das Verkaufsgenie Brownie Wise und ernannte die alleinerziehende Mutter zur Tupperparty-Pionierin. Inzwischen ist Wise verstorben und die Marke Tupperware steckt in der Krise.

Die Idee des Direktverkaufs über Bekannte oder Freunde blieb aber bestehen, und sie funktioniert noch immer – das weiss auch Melanie Alber von «FairAmour». Die 30-jährige Zürcherin gründete vor acht Monaten ihre eigene GmbH, eröffnete einen Onlineshop und organisiert Verkaufspartys von nachhaltigen Erotikprodukten.

Porzellan und Holz

Am Abend von Melanie Albers ersten «FairAmour»-Party wirbelt draussen Schnee durch die Luft, drinnen stehen Weingläser und Snacks bereit. Mira und Maria betreten eine moderne Wohnung in einem Zürcher Vorort. Mit mir und Initiantin Melanie Alber sind wir nun vier Frauen zwischen Mitte 20 und Ende 40 und schauen alle gespannt zum Couchtisch.

Auf dem runden Tisch liegen Bücher mit Titeln wie «Love your Sex» oder «Kamasutra, Baby!», daneben stehen schön verpackte Intimpflegeprodukte und Dildos aus Porzellan, Edelstein und Holz. Neugierig treten wir näher, nehmen Vaginalflora-Kapseln und Massagekerzen in die Hände und reichen sie rum.

Nachhaltig lieben

Mit «FairAmour» vereint Melanie Alber Nachhaltigkeit und Erotik. Das kommt nicht von ungefähr: «Ich arbeite seit Jahren als Marketing-Managerin bei Firmen, die sich im nachhaltigen Bereich bewegen. Nachhaltige Erotikprodukte gab es in der Schweiz aber bisher noch nicht», erzählt Melanie Alber. Sie gründete deshalb nebenbei ihr eigenes Unternehmen.

Melanie Alber, die Gründerin von «Fair Amour».

Melanie Alber, die Gründerin von «Fair Amour».

«FairAmour» gibt ausgewählten Produkten eine Plattform, die mit natürlichen Materialien und meist in Handarbeit hergestellt sind. «Wichtig ist mir, dass ich nachverfolgen kann, woher etwas kommt», sagt Alber über die rund 50 Artikel, von denen viele aus Deutschland, der Schweiz und Schweden stammen.

Über Sexualität sprechen

Inzwischen sitzen wir um den Couchtisch und trinken Weisswein. Innerhalb von zehn Minuten ist das Gespräch vom Intimpeeling über das Rasieröl bei der Intimbehaarung und dem weiblichen Schönheitsideal gelandet. Die Unterschiede zwischen uns Frauen spielen keine Rolle. Melanie Alber spricht so offen über ihre Sexualität und ihren Körper, dass wir es automatisch auch tun.

«Ich verkaufe bewusst nur einen Vibrator aus Holz. Die anderen Toys sind Dildos in verschiedenen Formen, Materialien und Farben», sagt Alber und fügt an: «Allgemein gibt es zu viele Sextoys und sie können zu viel. Wir sollten einen Schritt zurückgehen zu natürlichen Produkten. Ich finde es wichtig, dass Frauen sich mit dem eigenen Körper beschäftigen, sich Zeit nehmen und sich auseinandersetzen, was ihnen gut tut.»

Die Produkte werden gemeinsam begutachtet.

Melanie Alber erklärt ihren Gästen die Yoni Eier.

Besonders in unserer heutigen Zeit, in der alles hektisch sei und wir ständig abliefern müssen, sei das wichtig, sagt die Zürcherin. Viele ihrer Produkte dienen der Erholung und der Körperpflege, nicht nur dem Sex und der Befriedigung.

Berührende Bekanntschaften

Maria verschwindet im Nebenzimmer, um Lingerie anzuprobieren. Mira sucht sich ein Yoni Ei aus Edelstein aus. Melanie Alber erzählt von berührenden Bekanntschaften, von Leuten, die sich mit Sex und Selbstbefriedigung schwer tun. Mit «FairAmour» hatte die Marketing-Managerin am Weihnachtsmarkt in Winterthur und Oerlikon einen Stand und erlebte die unterschiedlichsten Reaktionen. Viele Menschen seien interessiert, andere kommentieren abschätzig und laufen vorbei.

«Im Umgang mit Sexualität sind wir schon viel weiter als noch vor ein paar Jahren – aber noch nicht dort, wo wir sein sollten», sagt Melanie Alber. Sie motiviere, dass sie mit «FairAmour» etwas zur Enttabuisierung von Sex beitragen könne.

Kein Schmuddel

An diesem Abend geht niemand leer aus: Es wird gekauft und verkauft. Dank kleiner Runde und wertigen Produkten funktioniert die Tupperware-Party der besonderen Art, als wäre sie von Amerikanerin Brownie Wise höchstpersönlich orchestriert. Entscheidend dabei: Die gemütliche Stube ist fern von jeder schmuddeligen Sexshop-Atmosphäre.